Meine Geschichte mit PMS – und wie ich aufgehört habe, jeden Monat von mir selbst überrascht zu werden
Es war vor ungefähr 6 Jahren. Frisch getrennt, plötzlich wieder Single – und mein Leben veränderte sich in kurzer Zeit grundlegend. Aus ruhigen Wochenenden wurden Dates, Alkohol, Ausgehennächte. Dann wechselte ich in einen deutlich stressigeren Job. Meine Ernährung war mal okay, mal katastrophal. Sport machte ich erst kaum, dann auf einmal sehr viel – intensive HIIT-Sessions, ohne Trainingsplan, ohne wirklich auf meinen Körper zu hören.
Kurz gesagt: mein Leben war relativ drunter und drüber. Und grundsätzlich? Ging es mir damit gut. Ich genoss die Freiheit.
Aber da war dieses eine Ding, das sich hartnäckig hielt: mein PMS. Mal kaum spürbar, mal so intensiv, dass es mich komplett überrollte. Und jeden Monat war ich irgendwie wieder überrascht davon – als ob ich das letzte Mal vergessen hätte.
Irgendwann erkannte ich ein Muster. Starke Emotionalität, Impulsivität, eine Wut, die in den Tagen vor meiner Periode hochkam und die ich selbst kaum verstand. Sie hatte Auswirkungen auf meine neue Beziehung, auf meine Familie – aber am meisten nervte sie mich selbst. Dieses Gefühl von Ohnmacht. Das Gefühl, nichts dagegen tun zu können.
Dann kam der Moment, der alles veränderte.
Ein heftiger Streit mit meinem Freund – und ich beobachtete mich dabei wie aus der Vogelperspektive. Ich sah mich reagieren, wusste, was gerade passierte, und konnte es trotzdem nicht stoppen. In diesem Moment reichte es mir. Ich wollte das nicht mehr hinnehmen.
Also fing ich an zu suchen.
Zuerst in Reddit-Foren und YouTube-Videos – von vermeintlichen Expertinnen und solchen, die es wirklich sind. Ich fand einen PMDS-Hilfsverein aus Deutschland und nahm an Selbsthilfe-Sessions teil. Der Austausch war wertvoll, aber das reine Teilen von Leidensgeschichten brachte mich nicht wirklich weiter. Ich wollte Antworten.
Also ging ich eine Ebene tiefer: echte Literatur, wissenschaftliche Studien. Das Gebiet der Frauengesundheit ist noch erschreckend wenig erforscht – etwas, das sich dringend ändern muss. Aber es gab Erkenntnisse. Und vieles davon deckte sich mit dem, was Frauen in Communities schon längst unter sich geteilt hatten.
Das Wichtigste, was ich dabei verstand: Ich kann etwas tun.
Ich probierte aus. Supplements, Lifestyle-Anpassungen, akribisches Symptom-Tracking. Ich setzte mich intensiv mit dem hormonellen System auseinander – wie Östrogen, Progesteron und Cortisol zusammenspielen, was meinen Zyklus beeinflusst, was ich selbst in der Hand habe. Über etwa sechs bis neun Monate fand ich einen Weg, der sich für mich richtig anfühlte – und den ich mir auch langfristig vorstellen konnte.
In dieser Zeit bekam ich endlich einen Termin an der PMS-Sprechstunde der Uniklinik Zürich. Als die Ärztin fragte, was mich herführe, erzählte ich ihr von meiner Recherche und den Maßnahmen, die ich ergriffen hatte. Ihre Antwort: "Das ist super – wenn es Ihnen hilft, machen Sie genau so weiter."
Das war meine letzte Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Heute – zwei Jahre später – fühlt sich mein Leben, meine Beziehung, mein Körper fundamental anders an. Nicht perfekt. Aber ich bin nicht mehr Getriebene meines eigenen Zyklus. Ich verstehe, was in mir passiert. Und ich habe Werkzeuge, die wirklich helfen.
Dieses Wissen, diesen Weg – den möchte ich mit anderen Frauen teilen. Nicht als Expertin, die von oben herab erklärt. Sondern als jemand, der selbst gesucht, experimentiert und gefunden hat.
Genau dafür ist Fem. entstanden.